Restaurierung Tischlerei Pawelleck

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Bimsmehl, fein


Blätterschellack, orange


Polierballen
SCHELLLACK
Bezeichnung für eine dunkel-rotbraune Mischung aus Baumharz und der gestockten Ausscheidung der auf den Palasabäumen lebenden asiatischen Lackschildlaus. Aus diesen Absonderungen wird durch Auswaschen, Schmelzen und Filtrieren der reine Schelllack gewonnen. Schelllack wurde auch in der Malerei, im Geigenbau, als Siegellack und als Schallplattenmaterial verwendet.

SCHELLLACK-POLITUR
Furnierte Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts wurden meist mit einer Schelllackpolitur versehen. Diese Politur ist sehr zeitaufwendig, kennzeichnet jedoch eine qualitativ hochwertige Restaurierung, die den Charakter des Möbels wieder zur Geltung bringt und für weitere Generationen sichert.
Sie verleiht dem Möbel einen seidigen Glanz und wird manuell in bis zu 10 Schichten aufgetragen. Diese Oberflächenbehandlung verschließt die Poren, ist aber trotzdem atmungsaktiv. Schelllack gehört zu den natürlichen Hartharzen. Somit ist diese Politur verhältnismäßig hart und widerstandsfähig. Vorausgesetzt, sie hatte genügend Zeit zum Aushärten.
Die Politur wird auf unbehandeltem Holz aufgebracht. Eventuell vorhandene moderne, harte Lacke können oft nur schwer entfernt werden und verursachen so möglicherweise irreparable Schäden, die den Wert des Möbels erheblich mindern oder sogar zerstören.
Mit Hilfe eines Polierballens wird der in Alkohol gelöste Schelllack in kreisenden Bewegungen auf die Holzoberfläche aufgetragen. Der Alkohol verdunstet dabei sehr rasch, während der Schelllack nach und nach als hauchdünner Film liegen bleibt.

Der eigentliche Poliervorgang mit Schellack setzt sich aus wiederholten Arbeitsgängen zusammen:

  • Das GRUNDPOLIEREN
    Zunächst wird die Politur angelegt. Die Holzporen werden mit Politur und Bimsmehl aufgefüllt. Dann beginnt der Polituraufbau mit Alkohol.
    Jede grundpolierte Fläche muss ruhen, um gut auszutrocknen. Je länger desto besser.
  • Das DECKPOLIEREN
    Nachgesackte Poren werden erneut gefüllt. Dabei muss jeder Ballen auspoliert werden. Es entsteht bereits ein spiegelnder Glanz. Die Oberfläche wird völlig glatt.
  • Das AUSPOLIEREN
    Die Oberfläche wird versiegelt. Die Kunst des Auspolierens besteht darin, zeitgleich den Ballen völlig trocken zu polieren und das Polieröl herausgearbeitet zu haben.

Es gibt inzwischen unzählige Schelllack-Rezepturen und Methoden. Moderne Rezepturen zielen meist auf eine Zeitersparnis oder eine leichtere Verarbeitung.
Bei einer fachgerechten Restaurierung sollten jedoch nur zeitgerechte, traditionelle Materialien und Methoden gewählt werden, um so den Wert des Stückes zu sichern.

 

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